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Dr. Mirko Kovac
@Empa
Gesellschaft

Grüne Robotik: Empa schlägt neues Forschungsfeld vor

Empa-Forschende schlagen in einem Manifest ein neues Forschungsfeld für Roboter vor. «Sustainability Robotics» soll untersuchen, wie Roboter zu einer nachhaltigeren Zukunft beitragen können.

In einem in der Fachzeitschrift «Nature Machine Intelligence» veröffentlichten Manifest schlagen sie vor, dass Roboter gezielt so entwickelt und eingesetzt werden, dass sie zu einer ökologischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeit beitragen.

Robotik und (physische) künstliche Intelligenz entwickeln sich rasant. Gleichzeitig verschärfen sich globale Herausforderungen wie Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Ressourcenknappheit. Während sich die Robotik bislang vor allem an Kriterien wie Präzision, Geschwindigkeit und Autonomie orientierte, stellen Forschende heute eine andere, grundlegendere Frage: Welche Rolle sollen Roboter beim Aufbau einer nachhaltigen Zukunft spielen?

Der nächste Schritt der Robotik

In einem Fachartikel, der soeben in der Zeitschrift «Nature Machine Intelligence» veröffentlicht wurde, schlägt ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Empa-Forschers Mirko Kovač gemeinsam mit Barbara Mazzolai vom «Italian Institute of Technology» (IIT) und Seokheun Song vom «Daegu Gyeongbuk Institute of Science and Technology» (DGIST) deshalb die Schaffung einer neuen wissenschaftlichen Disziplin vor: «Sustainability Robotics», also eine Robotik im Dienste der Nachhaltigkeit.

Ziel ist es, robotische Systeme künftig nicht nur nach ihrer technischen Leistungsfähigkeit, sondern auch nach ihren Auswirkungen auf Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft zu bewerten. «Bisher hat sich die Robotik vor allem darauf konzentriert, was Maschinen leisten können», sagt Mirko Kovač, Leiter des «Laboratory of Sustainability Robotics» an der Empa und der EPFL. «Der nächste Schritt besteht nun darin, zu fragen, welche Rolle Roboter beim Aufbau einer nachhaltigen Zukunft spielen sollen.»

Drei Leitprinzipien für die Robotik von morgen

Im Zentrum des Manifests stehen drei Leitprinzipien: Robotische Systeme sollen minimalinvasiv, universell zugänglich und symbiotisch sein.

Minimalinvasive Robotik soll ökologische, biologische und gesellschaftliche Auswirkungen so gering wie möglich halten. Dazu gehören beispielsweise energieeffiziente Systeme, kompostierbare Elektronik oder Roboter, die repariert und wiederverwendet werden
können.

Universelle Zugänglichkeit bedeutet, dass Robotik nicht nur wohlhabenden Regionen oder spezialisierten Industrien zugutekommt. Technologien sollen bezahlbar, wartbar und auch dort einsetzbar sein, wo sie am dringendsten benötigt werden.

Eine besondere Bedeutung messen die Forschenden dem Konzept der Symbiose bei. Robotik soll nicht nur einzelne Aufgaben effizient erfüllen, sondern einen möglichst grossen Nutzen für Menschen, Umwelt und Wirtschaft schaffen. «Die wichtigste Frage ist nicht, ob ein Roboter technisch besonders fortschrittlich ist», so Kovač. «Entscheidend ist vielmehr: Wer profitiert davon – und welche Auswirkungen haben die autonomen Systeme auf unseren Planeten?»

 

Grosses Bild: Mirko Kovač fordert mit einem Manifest die Etablierung von «Sustainability Robotics» als neue wissenschaftliche Disziplin. Ziel ist es, Robotik konsequent an ökologischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeitszielen auszurichten. Bild: Empa